10 Jahre Siedlerverein Lützschena e.V.
Im Herbst 1990 haben
wir unseren Verein gegründet. Seither gab er seinen Mitgliedern viele Möglichkeiten,
für die in der Satzung festgelegten Ziele der Heimatverbundenheit und Naturerhaltung
zu wirken. Sie haben sich inhaltlich gewandelt, sind aber aktuell wie vor 10
Jahren.
- Grundlage für alle Aktivitäten war und ist die Erhaltung von
Heim und Heimat. Besonders in der ersten Phase nach der Wende war die Klärung
der Rechtslage und der nötigen Schritte zur Sicherung des Eigentums bzw. des
Pachtlands der Siedler vorrangig. Dabei wuchsen neues Zusammengehörigkeitgefühl
und gutes Zusammenwirken mit der Gemeinde. Später unterstützte der Siedlerverein
Initiativen wie die einer CO2 freien Gemeinde, den Aufschluß neuer Siedlungsgebiete,
die Planung einer Niedrigenergiesiedlung und die Bewahrung sozial verträglicher
Pachten.
- Auf Naturerhaltung war die Ausarbeitung des Flächennutzungsplans
der Gemeinde orientiert. Die zeitweilig fünf Gemeinderatsmitglieder aus unserem
Verein konnten viele unserer Vorschläge einbringen, die für den Flächennutzungsplan und auch
weit darüber hinaus (beim Straßenbau, Fußgängerwegen, Beleuchtung u.a.) für
die Entwicklung des Wohnstandortes und seiner Lebensqualität wichtig wurden.
- Als der Bau der neuen B 6
vorgesehen war, regten wir Bürgerversammlungen an, um gegen die ersten Pläne
einer südlichen Linienführung vielmehr eine solche nördlich der Eisenbahnlinie
zu erreichen. Diese nützt der Regionalentwicklung, ohne den Ort zusätzlich einzuschnüren
und die Lebensqualität im Ort zu mindern. War dies erfolgreich, so traf das
leider auf die auch von unserem Verein in öffentlicher Anhörung vertretene "Trogvariante
statt Großbrücke" nicht zu.
- Die Entwicklung des GVZ-Gewerbeparks
wurde unterstützt, aber gleichzeitig auch einer Verkehrsüberflutung des Ortes
in oder nach der Bauzeit sowie der Ansiedlung natur- und heimatgefährdender
Gewerbe im Ortskern wirksam mit entgegengetreten.
- Die Mitgliedschaft unseres Vereins
im Landesverband sächsischer Siedler und (über diesen) im Deutschen
Siedlerbund sicherten günstigen Versicherungsschutz und speziell interessante
Stromtarif-Angebote ebenso wie Gartenfachberatung und Zugang zu den jährlichen
Wandertagen. Vor allem ermöglicht sie aber, auch über den Ort hinaus Gesetzgebungs-
und Verwaltungsakte im Sinne unserer Ziele zu beeinflussen. Die Aufhebung des
Heimstättenschutzes und die Durchsetzung der Gemeindegebietsreform konnten leider
dennoch nicht verhindert werden.
- Mitglieder des Siedlervereins beteiligten
sich an der Verschönerung der Ortschaft: Sie gossen neu angepflanzte
Bäume, pflanzten in Eigeninitiative auch mal eine "öffentliche" Hecke,
kümmerten sich um die Gestaltung der bepflanzten Randstreifen an neuen Straßen,
die Pflege von Rasenflächen und Bäumen vor ihren Grundstücken. Viele renovierten
schrittweise ihre Häuser. Zur Wahrung und Entwicklung eines freundlichen und
sauberen Ortsbildes ist das auch in Zukunft bedeutsam.
- Immer wieder beschäftigte uns -
unterstützt durch Angehörige der Polizei - die Sicherung des Wohneigentums
und der Bungalows gegen Einbrüche. Dazu gehörten die Aktion "Wachsamer
Nachbar" und Proteste gegen die Abbildung unserer Grundstücke und Häuser
auf einer gewerblich vertriebenen CD-Rom.
- Der Siedlerverein beteiligte sich
aktiv an der zumindest zeitweiligen Bewahrung von Ortsrecht in Vorbereitung
der Eingemeindung. So verzichtete die Stadt beispielsweise auf rückwirkendes
Erheben von Straßenbaubeiträgen; unsere Baumschutzordnung und einige niedrigere
Steuersätze blieben zunächst erhalten, Vereine und Clubs wurden in ihrer Existenz
festgeschrieben u.a.m.
- Wiederholt beschäftigten uns öffentliche Gebühren. So nahmen
wir teil an einer Unterschriftensammlung für den Volksantrag gegen das Erhöhen
der Wassergebühren. Alle Siedler konnten bei ihrem Verein sachkundige Anleitung
zur Berechnung der Regenwassergebühren erhalten. Jetzt geht es um deren Minderung.
Angebote unterschiedlicher Energiefirmen wurden im Vergleich vorgestellt und
dadurch die sachkundige Auswahl des einzelnen gefördert.
- Viele Siedlerfreunde warten schon
immer auf unsere monatliche Zeitschrft. Sie bringt nicht nur die jeweils
aktuelle Gartentips und läßt manches über Naturgegebenheiten dazulernen. Sie
ist oft auch der einzige Platz, wo wir etwas über Veränderungen von Gesetzen
und Anordnungen bzw. komplette Neuregelungen erfahren können, die Siedler und
Wochenendsiedler betreffen.
- Es schmerzt, daß manches im Ort
nicht so entwickelt werden konnte, wie es gedacht und gewollt war. Nach dem
Eigentümerwechsel an einen Großkonzern wurde die ortscharakteristische Brauerei
geschlossen und zerfiel. Auch die später entwickelte Planung für ein echtes
Ortszentrum blieb auf dem Papier: Das zu ändern, sehen wir weiterhin als eine
Aufgabe der Heimatpflege.
- Neue Probleme entstehen
jetzt mit dem Inkrafttreten von Satzungen der Stadt Leipzig, zB. der Baumschutzsatzung,
der Straßen- und Winterdienstsatzung u.a. Hier gilt es gemeinsam aufzupassen,
daß Unterlassungen nicht teuer werden für den einzelnen. Aber auch neue erforderliche
Lärmschutzmaßnahmen dürften nur gemeinsam erreichbar sein. Die Bepflanzung der
Bahntrasse, das Anlegen weiterer Fuß- und Radwege u.ä. - nichts wird von alleine
kommen. Mit der Verwaltungs-Außenstelle würde eine wichtige Instanz der bürgernahen
Vertretung von Ortsinteressen und zur Durchsetzung der Zusagen des Eingemeindungsvertrages
beseitigt. Wir müssen lernen, unsere Interessen gegenüber nur-Stadtkernorientierungen
geltend zu machen.
- Das Zusammenstehen beginnt mit
guter Nachbarschaft. Immer wieder vergißt einer, der mähen oder schreddern
will, daß der ältere oder gestreßte Nachbar bzw. das Kleinkind nebenan die Mittagsruhe
braucht. Wenn eigene Hecken und Bäume über alles bisher Gewohnte hinaus wachsen,
sollte man (mit oder ohne Nachbarschaftsrecht in der Hand) doch auf den Nachbarn
zugehen und sich neu absprechen.. Vielleicht kann man auch mal beim Vorstand
einen Vermittler finden. Ein hilfreicher und "wachsamer Nachbar" ist
immer nur der, mit dem wir uns verstehen.
- Eine Rückschau verdeutlicht,
auch wenn sie manche Aktivitäten nicht nennt, den Einsatz von viel Zeit und
Kraft. Wir wollen uns dafür gegenseitig und speziell auch den Mitgliedern der
Vorstände, Gemeinde- bzw. Ortschaftsvertretungen dieser 10 Jahre danken. Für
viele Aktivitäten und Ergebnisse ist charakteristisch, daß sie allen Mitgliedern
(und Bürgern) zugute kommen, aber von einzelnen niemals zu verwirklichen waren
oder sind. Das gilt auch für die aktuellen und künftigen Aufgaben.
- Seit der Gründung unseres Vereins sind wir alle 10 Jahre älter
geworden und haben auch Mitglieder verloren. Wir möchten gern mehr Neubürger
unseres Ortes und jüngere Siedler gewinnen. Manches haben wir deshalb
nicht oder nur unvollständig erreicht, weil die Kräfte zu gering waren und sich
nicht noch mehr engagierten. Am Rande des großen Stadt Leipzig wird es wohl
noch schwieriger werden, aber wir wollen die Lebensqualität unserer engeren
Heimat und ihre Natur erhalten.
Eine darauf orientierte effektive Zusammenarbeit
der Vereine unserer Ortschaft ist uns wichtig. Vom Ortschaftsrat wünschen wir
uns, daß er die allgemeinen Bürgerinteressen (auch an den Eingemeindungszusagen)
gemeinsam wirkungsvoll vertritt. Unseren jetzigen Mitgliedern im Ortschaftsrat
legen wir das besonders ans Herz. Ihnen und allen anderen Ortschaftsräten versichern
wir auch für die Zukunft dabei unsere Unterstützung. Vom Jüngsten bis zu den
Ältesten: Lützschena soll unsere liebenswerte Heimat sein und bleiben.
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