Ein Gang zum Schlosspark in Lützschena

Text und Foto: Horst Pawlitzky
Stand vom Juli 2007

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Die Freifläche am Eingang des Lützschenaer Schlossparks
Foto: Michael Bunk
Eichen am Eingang des Lützschenaer Schlossparks
Foto: Michael Bunk
Nur einige Schritte noch, und wir stehen am Eingang zum Schlosspark. Mit der Anlage des Parks nach englischem Vorbild wurde bereits 1822 begonnen, also unmittelbar nach dem Erwerb des Gutes Lützschena durch Maximilian Speck. Er umfasste damals ca. 20 ha und erstreckte sich auch auf Flächen nördlich der Elster, die nicht mehr zugänglich sind und heute anderweitig genutzt werden. Jetzt bedeckt er die annähernd dreieckige Fläche, welche im Norden begrenzt wird von der Weißen Elster, im Süden von den Mäandern des Hinterwassers und im Osten vom Polenzfließ.

Märzenbecher blühen im Schlosspark
Märzenbecher
Von den mehr als 30 Objekten, welche ihn einst in Form von Bauten, Plastiken oder Grabmalen schmückten, sind nur noch wenige erhalten, und viele von ihnen in ruinösem Zustand. Seine Bedeutung liegt heute darin, dass in ihm wertvolle Bestände von alten Eichen, Ulmen und Eschen wachsen, so wie sie für die Hartholzwälder der Elster-Luppe-Aue typisch sind. Reich ist die Zahl der Frühjahrsblüher, also zuerst die Märzenbecher, es folgen Taubnesseln, verschiedene Arten von Buschwindröschen und Himmelschlüssel. Später, wenn der Bärlauch fast den gesamten Waldboden mit seinen grünen Blättern bedeckt, zieht der würzige und an Knoblauch erinnernde Duft weit über seine Grenzen.

Auf dem Hügel finden sich Reste des Ehrentempels
Der Hügel, auf dem sich einst
der Ehrentempel befand
Geradeaus vor uns erblicken wir nun einen kleinen Hügel, auf dem kann man noch vier Sandsteinquader erkennen, die Reste von Fundamenten, welche einst zu dem Ehrentempel gehörten. Maximilian Speck ließ ihn errichten um dort Personen zu würdigen, die sich um die Landwirtschaft Verdienste erwarben, so Justus von Liebig (1803 - 1873) und Albrecht Daniel Thaer (1752 - 1828). Von diesem mittleren Weg links liegen drei Teiche. In Lithographie des Entenhäuschens, 1826 dem einen befand sich eine Roseninsel mit der Knöchelspielerin (Wahrsagerin), über den zweiten gelangte man mit einer Gondel zum dritten, wo das Enten- und Taubenhaus im orientalischen Stil auf einer Insel stand.

Die vielen Wasserflächen werden von allerlei Wasservögeln bevölkert. Neuerdings sieht man hier Kormorane, gelegentlich auch Graureiher. Sie finden sicher gute Nahrung, denn Kleintiere, Lurche und Amphibien sind im Park in großer Vielfalt beheimatet.

Eine Besonderheit des Parks besteht darin, dass er unter Denkmalschutz steht und gleichzeitig eines der Naturschutzgebiete im Landschaftsschutzgebiet Elster-Luppe-Aue ist. Im Zuge der Bodenreform wurde der Park enteignet, konnte aber von der Familie Sternburg vor wenigen Jahren zurückgekauft werden. Dabei wurde vereinbart, dass der Park der Öffentlichkeit zugänglich ist, im Gegenzug dafür die Gemeinde die Pflichten zur Pflege und Verkehrssicherung übernimmt. Dank der Initiative der Gemeinde Lützschena-Stahmeln konnten mit ABM-Kräften die Hauptwege und die Brücke über das Parkfließ in den letzten Jahren so instand gesetzt werden, dass sie von Fußgängern und Radfahrern bequem genutzt werden können. Auf diese Weise wurden auch Wildwuchs und jede Menge Müll beseitigt.

Staueinrichtung
Staueinrichtung
Im Jahre 2002 begann der städtische Eigenbetrieb Engelsdorf die Gräben und Teiche im Park offenzulegen, zu entschlammen und die Bauten, welche der Regulierung des Wasserstandes dienen, entweder zu reparieren oder zu erneuern. Damit soll die Wasserführung wieder so möglich sein, dass Pflanzen und Tiere Umweltbedingungen zurückerhalten, wie sie bei der Anlage des Parks und in der Elster-Luppe-Aue ursprünglich bestanden. Die große Fehlentwicklung für Fauna und Flora des Parks bestand nämlich darin, dass durch die Luppe-Regulierung und den Braunkohleabbau in der Umgebung von Leipzig der Grundwasserspiegel zu stark sinkt.

Auf der freien Fläche gleich am Parkeingang findet jedes Jahr im Frühherbst das nun schon traditionelle Schloßparkfest statt, gewöhnlich am ersten Sonntag im September.

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